Vareler Randnotizen #3/26

Die kommende Kommunalwahl und ihre Themen

Die kommende Wahl um das Amt des Bürgermeisters bzw. der Bürgermeisterin ist eine gewichtige, denn dieses Mal wird eine Person für acht Jahre statt für fünf Jahre in das Amt gewählt. Die Änderung wurde Anfang 2025 im niedersächsischen Landtag beschlossen, weil man damit zum einen eine Kandidatur für dieses Amt attraktiver machen und zum anderen bei langjährigen Projektvorhaben auch eine personelle Kontinuität gewährleisten wollte. Diese wäre, sollte der amtierende Bürgermeister in seinem Amt bestätigt werden, dann tatsächlich mit Sicherheit gegeben. Seit 2006 ist er ununterbrochen im Amt und würde mit einer weiteren Legislaturperiode 28 Jahre die Geschicke der Stadt Varel verwaltet haben.

Seine Gegenkandidatin Gesche Wittkowski, als Vareler Ratsfrau seit 2021aktiv, agiert in vielem anders als der Amtsinhaber. Sie spricht direkt Widersprüche und Missstände an, ist engagiert und wachsam. In der lokalen Öffentlichkeit muss sie mit einem eigenen Profil überzeugen, um nicht allein als die Tochter ihres Vaters Karl-Heinz Funke wahrgenommen zu werden – und das gelingt ihr bisher ziemlich gut. Im Gegensatz zu anderen Parteien ist es ihr als Vorsitzende der Wählergemeinschaft Zukunft Varel (ZV) auch gelungen, engagierte Frauen für die ZV zu gewinnen, die in der kommenden Kommunalwahl kandidieren werden. Über den Grund dafür kann man nur spekulieren, aber sie dürfte in ihrem Auftreten den Unmut vieler junger Frauen und Mütter in Varel treffend artikuliert haben, die sich nach dem fulminanten Sieg der SPD 2021 enttäuscht sehen, vor allem hinsichtlich der Entwicklungen der medizinischen Versorgung vor Ort.

Gesche Wittkowski hat mit ihrem Engagement für den Erhalt des Vareler Krankenhauses frühzeitig einen klaren Akzent gesetzt, auch wenn bei den Forderungen oft die gesetzlichen Rahmenbedingungen des Bundes und des Landes ignoriert wurden. Inzwischen reduziert sich die verbliebene Alternative auf das Gelingen der Betriebsgesellschaft für ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) und dem ambulanten Operationszentrum (AOZ), für die sich auch Gerd-Christian Wagner als Bürgermeister engagiert. Inwieweit auch die Gynäkologie und Geburtshilfe in diesem Modell mit eingebunden werden können, ist derzeit noch ungewiss. Im Juli sollen jedoch das MVZ und AOZ als Gesundheitszentrum Varel GmbH starten und sich im Idealfall als ein Gesundheitscampus entwickeln. So kann es dann sein, dass im August dieses Thema schon nicht mehr im Vordergrund stehen wird und sich der Wahlkampf um andere Themen kreisen könnte wie etwa das neue Hallenbad, die propagierte Quartierssanierung zwischen Marktplatz – Nebbsallee – Haferkamp, die Revitalisierung der innerstädtischen Grünflächen vom Waldstadion bis zum Tivoli-Garten und die Sanierung des Tivoli als städtisches Kulturhaus. Welche Visionen der städtebaulichen Entwicklung beide Kandidaten skizzieren werden, welche Bedeutung sie der Kulturarbeit beimessen werden, wie sie mit innerstädtischen Grünflächen umgehen wollen und was sie zur innerstädtischen Mobilität sagen können, dürfte dann eine neue Gewichtung finden. Der von der SPD und Bündnis90/Die Grünen unterstützte Gerd-Christian Wagner hat es bisher an zukunftsorientierten Ideen und Visionen fehlen lassen. Daher könnte es spannend werden, wenn Gesche Wittkowski mit ihren Ideen für Varel die Schwäche ihres Gegners auszunutzen versteht.